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Die Stärken der Pandas: geschäftlich reden, privat bleiben

News   •   Apr 23, 2015 07:45 CEST

Am Samstag fängt in Berlin keine Veranstaltung pünktlich an, sagte man mir am Vorabend. Ja ja, dachte ich, redet nur. Es geht doch um Frauen, die Karriere machen! Tatsächlich bin ich dann eine der ersten. Der Rest kennt die Berliner Regel und erscheint kurz vor knapp. Mancher Hotelgast schielt – seine Frau am Händchen – selig nach links und rechts. Er sieht eine bunte Armee von Frauen: je hundert weibliche „Young Talents“ und „Executives“ versammeln sich bei strahlendem Sonnenschein im Hotel Esplanade am Berliner Lützowufer.

Stärke durch Authentizität

Wir machen mit beim Panda Karriere-Contest für weibliche Führungskräfte. Das Ziel: in Sessions und Vorträgen das gute Gefühl bekommen, dass wir nicht alleine sind im Führungszirkel-Gebalge. Zum dritten Mal wird Panda von dem Berliner Business-Duo Isa und Stuart organisiert. Ihre Glaubwürdigkeit und Sympathie, die über kleinere Orga-Pannen hinwegsehen lässt, tragen die Veranstaltung. In Diskussionen und Vorträgen, zum Beispiel von Heike Baur-Wagner, Vice President Sales bei American Express, klingt eines immer wieder an: Führung heißt Stärke durch Authentizität. Nicht explizit weibliche Authentizität sei gefragt. Frauen achteten aber auf Echtheit. Panda gebe es, sagt Stuart, weil er unbedingt mehr Frauen wie Isa um sich haben wolle. Echte.

Allein unter Frauen geht manches leichter

An den Tischen geht es auch um einen Realitätscheck. Wo zwischen High Heels und Batikhose können sich gestaltungsfreudige Frauen heute verorten? Stilistisch gesehen ist die weibliche Führungskraft alles von Jeans mit Bluse über Rock und Jackett bis zu schlichtem Schwarz und witzig-bunten Kleidchen. Isas rot-weißes Punkte-Kleid zeigt mir gleich am Anfang ein Licht am Ende des Blazer-Tunnels. Die Feedbacks und Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass eine große Toleranz im Umgang miteinander herrscht, und jede jeder ihr Plätzchen lässt. Nur zu sehr Alpha, das gibt Abzug.

Für den Panda Contest musten wir uns bewerben. Das schöne Ergebnis: Hier sind nur Frauen, die wirklich wollen. Die Energie haben. Es wird nicht gemeckert, es gibt fast keinen Sarkasmus. Dass ein Contest ohne aalglatte Karrieristinnen auskommt, ist entweder ein Verdienst der Veranstalter oder die Korrektur eines Stereotyps: Allein unter Frauen geht manches leichter.

Ab ins Wasser, Pinguin!

Zwischen den Sessions, in denen wir Wahl-Reden gegen Hillary schreiben oder Dominosteine aufstellen müssen (Chaos pur!), treten hochkarätige Speaker auf. Ex-Dax-Managerin Heidi Stoppe zeigt, wie wichtig Selbst-Kenntnis für den Karriereweg ist. Sie konfrontiert gerade die Young Talents – Frauen mit weniger als fünf Jahren Führungserfahrung – mit dem „Pinguin-Test“: Pinguin, Löwe, Affe, Elefant und Schlange sollen auf einen Baum klettern. Die Mehrzahl scheitert. Keiner kann alles, so Stoppes Botschaft, und das darf auch so sein. 

Der flexible Chef

Der charismatische Marc Stoffel zeigt mittags, dass ein guter CEO vor allem eins sein muss: flexibel. Aus der Kommunikation wissen wir, dass Krisen nicht mehr mit Schweigen und Zudecken gelöst werden. Stoffel erklärt, was das für Unternehmen bedeutet. Es hört sich anstrengend an: Transparenz sei das neue Credo, bei Gehalt, Verantwortung und Hierarchien. Stoffels Skizze eines neuen Führungsstils zwischen Verantwortung, Delegieren und Teamgeist trifft indes den Nerv der Zeit.

In der Session über die ideale Führungskraft stehen dann auch Glaubwürdigkeit und Kommunikationsfähigkeit, Transparenz und Delegationsfähigkeit im Zentrum. „Bitte keine Allmachtsphantasten mehr“, sagt meine Tischnachbarin aus dem Bankgewerbe. Ihre Haltung deckt sich mit einer Studie zu neuen Kompetenzen in der Arbeitswelt, die wir bei Nimirum gerade für einen Agenturkunden durchgeführt haben. Über Stoffel sprechen wir noch länger, und jede weiß eine Geschichte zu erzählen, warum das mit dem agilen Management noch nicht so recht funktioniert. Aus dem Gedanken an Flexibilität einen flexiblen Gedanken machen, das braucht Zeit.

Wir sind, was wir sind

Wie positioniert sich mein Unternehmen in Debatten zu Führung und Arbeitswelt? Der Panda-Contest hilft vielen, diese Frage zu beantworten. Ein Speed Dating hätte allerdings geholfen, um noch mehr Frauen aus ähnlichen Branchen kennen zu lernen. So habe ich einige wichtige Gespräche wahrscheinlich verpasst. Die besondere Stärke liegt aber in der persönlichen Note, also die schnellen Feedbacks und der vielfältige Austausch mit 199 Frauen. Überraschend für mich: Wir sind an diesem Tag so, wie wir sonst auch sind. Wir reden geschäftlich und bleiben privat (und umgekehrt). Frauen hören gern Komplimente, aber nach den Speed Feedbacks weiß ich: Sie geben auch gern welche.

Es gibt nach einigen etwas kuriosen Wertungen eine Siegerin je Kategorie. Bei den Young Talents sieht man da ein paar lange Gesichter. Den Executives, zu denen ich gehöre, ist der eigentliche Wettkampf am Ende egal - längst plaudern wir in losen Runden über dies und das. Das, was der Tag für mich und viele also nicht war: ein „Contest“!

Flexibler Chef oder Female Leader? Sprechen Sie mit Anja Mutschler

Sprechen Sie mit NIMIRUM-Inhaberin Anja Mutschler darüber, wie nutzbare Informationen die Grundlage für gute Entscheidungen bildet. Sie erreichen sie unter am@nimirum.info.

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