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Von roten Eiern bis Wasserpistolen: Ostern im interkulturellen Kontext

Blog-Eintrag   •   Mär 08, 2016 07:00 CET

Ostern ist die Zeit der Wasserpistolen und Eierkämpfe!

Das Osterfest steht vor der Tür. Am Wetter kann man das noch nicht erkennen, aber in den Läden gibt es schon seit Wochen Osterhasen und gefärbte Eier. Aber wann ist denn eigentlich Ostern? In Deutschland beginnt das Fest dieses Jahr am 27. März. Aber das ist nicht in allen Ländern so. Das liegt vor allem daran, dass nicht alle Staaten den gregorianischen Kalender verwenden – und natürlich auch am Frühlingsmond. Vielleicht haben Sie Geschäftspartner in Polen oder Bulgarien? Wir nehmen Sie mit auf eine kleine Reise, von der Sie für Ihre Partner etwas mitbringen können.

Das Wichtigste gleich vorweg: Polen und Bulgarien leben nach verschiedenen Kalendern, weshalb sich das Datum des Osterfestes unterscheidet. Die beiden Osterfeste unterscheiden sich auch, wenn das eine katholisch und das andere orthodox gefeiert wird.

„Wielkanoc“ in Polen

Ostern heißt in Polen „Wielkanoc“: große Nacht. Das bezieht sich auf die Auferstehung Christi, die einen zentralen Stellenwert im Katholizismus hat. Über 90 % der polnischen Bevölkerung gehören dem katholischen Glauben an und sind sehr gläubig erzogen. Man sagt deshalb auch nicht so verschämt „Frühlingsfest“ oder „Frühlingsferien“, wie in manchen west- oder nordeuropäischen Ländern. Über die Feiertage haben die Schulkinder frei, aber mehrwöchige Schulferien wie in Deutschland gibt es nicht.

Das eigentliche Osterfest beginnt am Ostersonntag, dieses Jahr der 27. März. Schon eine Woche vor Ostern räumen viele Polen die Wohnung oder das Haus auf und lüften, um den Winter, das Böse und Krankheiten aus dem Haus zu kehren. Am Palmsonntag werden Palmenzweige gesegnet und zuhause hinter ein Bild geklemmt oder in eine Vase gestellt. Das soll Glück bringen. Zu den Vorbereitungen auf das Osterfest gehört auch das Bemalen und Verzieren von Eiern.

Am Gründonnerstag wird gegen Ende der Messe der Altar leergeräumt. Statt Glocken sind nur noch Holzrasseln zu hören, die Judas’ Verrat an Jesus symbolisieren. Am Karfreitag findet der Kreuzweg statt: Gläubige gedenken des Leidens Christi und legen ihn zu Grabe, am Karsamstag wird sein Tod betrauert. In der Kirche werden schon Speisen geweiht: Fleisch als Zeichen für das Ende der Fastenzeit und natürlich Eier, die am Ostersonntag gemeinsam am Frühstückstisch verzehrt werden. In das Osterkörbchen gehört auch eine Schaffigur, die die Auferstehung Christi symbolisiert.

Am Ostersonntag wird dann die Auferstehung Christi gefeiert. An diesem Tag ist es üblich, mit der ganzen Familie zu frühstücken und die am Vortag gesegneten Speisen zum Frühstück zu genießen. Danach geht man in die Messe, auch den restlichen Tag verbringt man mit der Familie.

Auf diesen Tag folgt einer der ausgefallensten Feiertage: der „gegossene Montag“ (Lany poniedziałek oder śmigus-dyngus). An diesem Tag werden alle Frauen mit Wasser begossen. Der Phantasie der Männer sind dabei keine Grenzen gesetzt. Üblicherweise greifen sie zu Wasserpistolen oder Wasserflaschen, aber auch Wassereimer oder Badewannen kommen zum Einsatz. Falls Sie also über Ostern in Polen sind, sollten Sie am Ostermontag als Frau auf der Straße aufpassen und sich nicht wundern, wenn Sie von mehreren Männern mit einer Wasserflasche gejagt werden! Wer nicht begossen wird, hat allerdings angeblich geringere Chancen zu heiraten ... Und wenn sich eine Frau ärgert, dass sie begossen wurde, wird sie dem Aberglauben nach auch nicht allzu schnell einen Mann finden. Am Osterdienstag dürfen sich die Frauen dann an den Männern rächen, indem sie diese mit Wasser begießen. Also raus mit den Wasserflaschen und Eimern!

„Velikden“ in Bulgarien

Die allermeisten Bulgaren gehören im Gegensatz zu den Polen der orthodoxen Konfession an. Ihr Osterfest fällt dieses Jahr auf den 1. Mai.

Auch in Bulgarien beginnt die Karwoche – der „stille Montag“ „велики понеделник (veliki ponedelnik) – mit dem gründlichen Hausputz. Alles wird gewaschen, und Abfälle werden verbrannt. Am „stillen Mittwoch“ wird keine Frauenarbeit verrichtet (in früheren Zeiten haben Männer keine Hausarbeiten verrichtet, daher ist dieser Brauch eher Frauen zugedacht). Am Gründonnerstag färbt man traditionsgemäß die Eier und bereitet den Kwas (ein Sauerteig, der speziell in Bulgarien für die Zubereitung der Osterbrote verwendet wird) für das ganze Jahr vor. Nach alter Tradition werden die ausgesuchten Eier zunächst gewaschen und dann zusätzlich mit Wasser und Asche gereinigt, damit beim Färben keine Flecken entstehen. Die ersten Eier werden rot gefärbt. Ihnen schreibt man Heilkräfte und andere magische Fähigkeiten zu, und man sagt, dass sie das Böse abwehren. Die Hausherrin bekreuzigt mit dem ersten zunächst die Kinder und dann alle anderen im Hause an der Stirn. Das soll ihnen Gesundheit und Stärke verleihen. Danach werden alle anderen Eier nach Belieben bunt gefärbt, so wie sie jeder haben möchte.

Am Karfreitag werden die Osterbrote und der Osterkuchen (kozunak) vorbereitet. Sie werden traditionsgemäß von unverheirateten Frauen gebacken und bestehen aus Eiern, Zucker und Früchten. An diesem Tag wird nichts Anderes gemacht. Die gläubigen Christen essen bis Samstagmittag nichts. Um Mitternacht erklärt der Pfarrer feierlich „Christus ist auferstanden“ (Christos voskrese), worauf die Gläubigen „Er ist wahrhaftig auferstanden“ (Voistina voskrese) antworten. Aus der Messe nehmen sie eine Kerze mit nach Hause. Die jungen und unverheirateten Frauen lassen in dieser Nacht ihren Ring unter dem Kissen, damit sie von dem Mann träumen, den sie später heiraten werden.

Das traditionelle „Eier-Schlagen“ ist der bulgarische Ersatz für den deutschen Brauch des Eierversteckens. Das Eier-Schlagen gibt es auch auf polnischen Dörfern, es gerät dort aber immer mehr in Vergessenheit. Beim Eier-Schlagen wird gegeneinander gekämpft, zunächst mit den roten Eiern. Gewonnen hat der, dessen Ei nicht zerbricht. Er soll das erfolgreichste Familienmitglied des kommenden Jahres werden. Verwandte und Angehörige werden an diesem Tag feierlich besucht, junge Leute erstatten vor allem ihren Eltern einen Besuch ab und schenken ihnen Osterbrot (pita), Osterkuchen (kozunak) und Eier. An diesem Tag hält man eine Münze oder einen anderen Wertgegenstand in der Hand und wünscht sich etwas. Man sagt, dass den Gerechten der Wunsch in Erfüllung geht.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Zur Person: Agnes Marciniak ist Übersetzerin, Texterin und Projektmanagerin mit Schwerpunkt Polen. Sie besitzt einen Master in „Interdisziplinäre Studien zum östlichen Europa“ von der Universität Gießen. 

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